Der Ausflug
Samuel Hahnemann saß an seinem Schreibtisch - es war mitten in der Nacht - und brütete über einer schwierigen Übersetzung, wie er es so oft nachts tat. Plötzlich hörte er ein undeutliches Summen oder Brummen. Dieses Geräusch kam näher und näher, es kam ihm fast so laut wie der Propeller eines Hubschraubers vor. Er drehte sich um - und wollte seinen Augen nicht trauen - vor der Zimmertür machte sich eine Riesenbiene zur Landung bereit. Mit ihrem Kopf öffnete sie vorsichtig die Tür, flog ganz sanft auf ihn zu, setzte sich neben ihn und lächelte freundlich - sie war fast fast dreimal größer als er. Hahnemann rieb sich die Augen, hielt sie zu und dachte, dass seine Sinne ihm hier einen Streich spielten. Er zählte langsam bis drei, öffnete die Augen - NEIN - wirklich ... diese Riesenbiene sitzt immer noch neben ihm, zum Greifen nah. "Nun entspann Dich erstmal lieber Samuel, ich bin Klara und möchte dich auf einen Ausflug einladen." Hahnemann dachte bei sich: "Was soll's, nun ist sie schon einmal hier, da kann ich auch mitfliegen, vielleicht träume ich ja auch nur." Wie es auch immer gewesen sein mag, der Ausflug begann. "Steig auf meinen Rücken und halt dich gut fest, wir fliegen gleich los." sagte Klara. So hoben sie ab, flogen durch das Fenster in die dunkle Nacht und die Riesenbiene Klara begann ganz leise zu erzählen: "Wir Bienen leben schon seit Beginn unseres Daseins, seit 50 Millionen Jahren, in einer staatlichen Ordnung, schon viel eher als Euere Urahnen lebten wir so. Unsere Bienenkönigin ist nie alleine. Sie will immer von ihren Hofdamen umgeben und gefüttert sein. Wenn sie zur Hochzeitsreise ausfliegt, dauert es nicht lange und sie ist sofort Ziel und Mittelpunkt einer sexuell rasenden und tobenden Männergesellschaft. Am Ende dieser Reise wird sie Mutter eines riesigen Bienenvolkes, wird gepflegt und gehegt von ihren Dienerinnen und gefüttert von ihren Arbeitsbienen. Sie selbst ist eine riesige, schwer bewegliche und plumpe Gebärmaschine mit unendlich vielen Samenfäden in ihrem Körper. Mit diesen jedoch kann sie auf eine geheimnisvolle Art und Weise auf ihr Volk einwirken. Sie sondert Pheromone ab, welche auf das Geschlechtsleben der weiblichen Arbeitsbienen einen degenerierenden Einfluss haben, wodurch sich ihr weiblicher Geschlechtstrieb in einen unermüdlichen Bau- und Schaffenstrieb wandelt. Jede Biene ist Teil eines großen sozialen Organismus, sie kann nicht als Einzelwesen überleben. Jedes Mal, wenn ein Mensch in unserer Ordnung eindringt und unserer Waben beraubt, ist dies für unser Volk wie eine riesige Naturkatastrophe. Jetzt kämpft unser Volk darum, die gestörte Ordnung wiederherzustellen wobei viele einzelne Bienen ihr Leben lassen müssen. Immer wieder nehmen wir dieses Schicksal geradezu stoisch und gelassen hin und bauen unsere Ordnung mit unserem äußerst starken Erneuerungswillen wieder auf." So flogen sie noch eine Weile weiter und die Morgendämmerung zog langsam herauf. Hahnemann dachte still über das eben gehörte nach und gewann Ehrfurcht vor diesen kleinen, so gut organisierten und willensstarken Wesen. "Siehst du da hinten diesen schönen kleinen See? Dort wollen wir landen und den schönen neuen Tag begrüßen." Klara flog jetzt langsamer, immer tiefer und setzte sanft zur Landung an. An einem wunderschönen Badestrand beobachteten sie den traumhaften Sonnenaufgang. Er kündete einen schönen, heißen Sommertag an. Die beiden genossen noch eine Weile die Ruhe und nickten dabei sogar leicht ein. Langsam trafen auch die ersten Badegäste ein. In der heißen Sonne ließ sich eine Frau ihr Eis schmecken.
Doch plötzlich gab es einen riesigen Tumult. Angelockt durch den süßen Duft des Kirscheises summte eine Biene um den Kopf der Frau herum. Die Dame war sehr ängstlich und schlug wild mit den Händen um sich, wodurch sich die Biene bedrängt fühlte und sich durch einen Stich wehrte. Die Frau schrie vor Schmerz laut auf und Hahnemann wollte sofort aufspringen, um ihr zu helfen. Klara hielt ihn zurück und sagte:
"Schau dir erst alles in Ruhe an, der Frau wird nichts passieren und du kannst ihr danach gleich helfen, das verspreche ich dir." Mit einem etwas ungutem Gefühl im Bauch blieb Hahnemann sitzen und vertraute Klara. Er beobachtete genau, was mit der Dame geschah und sah folgendes: Die Stelle des Bienenstichs schwoll sehr schnell stark an, war rot, glänzend und glasig. Die Dame klagte über heftige, prickelnde, stechende und wie Feuer brennende Schmerzen. Sie konnte die Stelle nicht berühren vor Schmerz. Der Mann wollte helfen, und bot ihr ein Glas Wasser an, doch sie hatte gar keinen Durst. Plötzlich wurde alles schlimmer, Wassereinlagerungen, ein Hautausschlag und Jucken traten plötzlich überall auf der ganze Körper schien entzündet und die Haut schien bis zum Platzen gespannt. Da nun auch ihr Hals stark anschwoll - das Zäpfchen sah aus wie ein gefüllter Sack - dachte sie, jeder Atemzug könne jetzt ihr letzter sein.
Jetzt konnte Hahnemann nicht mehr an sich halten und begann, Klara Vorwürfe zu machen. Die blieb jedoch ganz ruhig, griff in die Tasche und gab ihm ihr Medikament. Sie hatte es selbst hergestellt und darin waren Teile ihres ganzen Körpers und ihres Giftes zusammen verrieben und schön gleichmäßig auf kleine Zuckerkügelchen verteilt. Sie sagte:
"Schnell, geh zu der Frau und gib ihr davon ein bis zwei Kügelchen auf ihre Zunge und wiederhole es nach einigen Minuten nochmals."
Hahnemann staunte sehr, als es der Frau in kürzester Zeit besser ging. Die Schwellungen am ganzen Körper und im Mund ließen zuerst nach. Sie konnte wieder besser atmen und fühlte sich insgesamt gleich viel besser. Danach ließen auch die anderen Beschwerden nach und die feurigen Schmerzen waren fast ganz verschwunden.
"Zeit zum Abflug, komm steig auf, wir wollen weiter fliegen." Während sie nun wieder flogen dachte Hahnemann an die eben erlebte Szene. Es ist unglaublich! Mit der Arznei von Klara habe ich dieser Frau so schnell und sicher helfen können. Das beeindruckt mich stark. Dieses Krankheitsbild wird für immer in meinem Gedächtnis bleiben.
Schon nach kurzer Flugzeit sahen sie von oben einen wunderschönen blühenden Garten mit unzähligen duftenden Blüten. Hiervon fühlte sich Klara wie magisch angezogen und setzte zur Landung an. So ließen sie sich im Garten von Familie Kirsch nieder.
Frau Kirsch hatte gleich drei Kuchen gebacken, stellte zwei verschiedene Sorten Kaffee und Tee, eine Kanne Kakao und eine Kanne Milch bereit und hatte den Tisch liebevoll gedeckt. An nichts sollte es Ihrem Liebsten fehlen. Dabei hatte sie noch nicht einmal mit Besuch gerechnet, aber freute sich jetzt natürlich umso mehr, dass von allem reichlich vorhanden war. Mit einer guten Organisation kann halt nichts mehr schief gehen. So setzten sich alle den reich gedeckten Tisch und ließen es sich schmecken. Ja sogar das Baby in Frau Kirschs Bauch schien vor Freude Purzelbäume zu schlagen.
"Schatz, mein Bauch, da stimmt etwas nicht." rief sie plötzlich. "Alles zieht sich zusammen und verkrampft sich, unser Baby soll doch erst ein dreieinhalb Monaten kommen." Klara sagte: "Schnell Samuel, gib der Frau von meiner Arznei." Hahnemann wunderte sich ein wenig, vertraute der Biene aber inzwischen sehr und gab so der Frau von ihrer Arznei. Augenblicklich ließen die starken Krämpfe und Kontraktionen des Uterus nach und traten auch bis zum Ende der Schwangerschaft nicht wieder auf. Frau Kirsch war sehr glücklich und brachte kurz vor dem errechneten Geburtstermin ein kräftiges kleines Mädchen zur Welt. Sie wurde auf den Namen Apisina getauft. Als Frau Kirsch zur Nachuntersuchung bei ihrem Frauenarzt erschien, staunte dieser nicht schlecht - die Eierstockzysten, die Frau Kirsch solange mit sich trug, waren plötzlich vollständig verschwunden. Wie ist das möglich?
Doch was ist nur mit Herrn Kirsch passiert? Furchtbar nervös und reizbar ist er geworden, nichts kann man ihm mehr recht machen. Scheinbar ziellos läuft er von einer Ecke zur anderen zappelt herum und kann noch nicht mal mehr ein Buch lesen, weil er sich dabei überhaupt nicht mehr konzentrieren kann. Er hat das Gefühl, sein Gehirn sei schrecklich müde.
"Deckst du bitte den Tisch, Schatz? Ich muss mich noch um Apisina kümmern. Sie schreit schon wieder nach ihrer Milch und kann gar nicht genug davon kriegen."
So begann Herr Kirsch den Tisch zu decken. Als er die Kaffeekanne auf den Tisch stellte, hob er den Deckel und roch ganz argwöhnisch am Kaffee - in letzter Zeit hat er immer öfter die Angst, man wolle ihn vergiften. Seine Frau hat sich ja letztens auch schon solange mit diesem Mann unterhalten - wer weiß, was da läuft - vielleicht wollen Sie ihn ja loswerden. Je länger er darüber nachdachte, desto schlimmer wurden diese Gedanken und er kam, wie schon so oft in letzter Zeit, in eine weinerliche Stimmung. Zu allem Überfluss fällt ihm nun auch noch die Kaffeekanne um - natürlich direkt auf den Kuchen - und ein Teller fällt zu Boden und zerbricht.
"Samuel, bitte gib ihm von meiner Arznei, löße fünf Kügelchen davon in einem Glas Wasser auf und lass ihn davon vier Tage lang zweimal einen kleinen Schluck trinken" sagte Klara.
In Ordnung, dachte sich Hahnemann, sie weiß ja was sie tut. So erhielt auch Herr Kirsch diese Arznei. Und was soll ich euch sagen, sein Gemütszustand begann langsam sich wieder in Richtung "normal" zu verändern - eine tolle Arznei, nicht wahr? Endlich konnte Herr Kirsch auch wieder ruhig und fest schlafen und träumte nicht mehr jede Nacht von allen möglichen Sorgen und schwerer Arbeit. Er wunderte sich auch sehr, dass seine Hämorrhoiden ihm nun gar keine Beschwerden mehr machten.
Samuel und Klara fühlten sich bei den Kirschs sichtlich wohl und beschlossen, sich hier noch eine Weile niederzulassen. Sie wollten auch gerne sehen, wie sich Apisina weiter entwickelte. Manchmal liefen der kleinen ganz heiße Tränen aus den Augen. Immer möchte sie alle Fenster geöffnet haben, egal ob Sommer oder Winter und wenn die Mama mal kurz nicht hinschaut, liebt sie es ganz besonders, ihren heißen und manchmal glühenden Körper im kalten Schnee zu wälzen. Frau Kirsch wunderte sich sehr über diese Eigenarten und machte sich Sorgen, die Kleine könne sich erkälten. Nach wie vor hat Apisina immer ein starkes Verlangen nach Milch.
"Siehst du Samuel, diese Eigenarten der kleinen Apisina weisen dich darauf hin, dass auch bei ihr meiner Arznei bald einmal gefragt sein könne." sagte Klara leise.
Und genau so sollte es kommen. Apisina wurde krank. Scharlach diagnostizierte der Arzt. Es schien sich jedoch schnell eine Besserung einzustellen. Sehr schnell ging der Scharlachausschlag zurück und die Eltern freuten sich, dass es bald vorüber wäre. Plötzlich verschlimmerte sich jedoch der Zustand von Apisina dramatisch. Dem Scharlach folgte eine Gehirnentzündung! Furchtbar gellend und durchdringend schrie Apisina in der Nacht. Schon die kleinste Bewegung verschlimmerte ihren Zustand und enge Kleidung konnte sie gar nicht vertragen. Sogar die Haare taten ihr weh. Schweißausbrüche und trockene Hitze wechselten sich laufend ab.
"Samuel, nun aber schnell - gib ihr meine Arznei!" rief Klara.
Gesagt, getan. Hahnemann löste fünf Kügelchen der Arznei in Wasser auf und gab sie Apisina schluckweise im Abstand von einigen Minuten ein, bis sich ihr Zustand verbesserte. Danach gab er das Mittel nur noch in größeren Abständen und nur dann, wenn es ausgewirkt hatte und sich der Zustand wieder zu verschlimmern schien. Apisina war bald wieder genesen und fühlte sich gut.
Apisinas Tante, Claudia, hatte von der Erkrankung erfahren und machte sich auf den Weg, Apisina zu besuchen. Sie freute sich sehr, dass es der Kleinen schon wieder so gut ging. Aber was war mit ihr selbst los? Vor einiger Zeit hatte sie ihren geliebten Mann verloren. Die beiden führten eine sehr glückliche und sexuell sehr aktive Ehe. Claudias sexuelles Verlangen war ziemlich ausgeprägt und hatte durch den Tod ihres Mannes sein Ventil verloren. Als Ausgleich dazu stürzte sie sich regelrecht in alle möglichen Aufgaben und hatte einen enormen Schaffenstrieb. Allerdings reichte dies nicht und sie schien innerlich zu brodeln wie ein Vulkan vor dem Ausbruch. Diese emotionalen Anspannungen kamen immer wieder einmal zum Ausbruch, sie schrie ihre Gedanken heraus und zerbrach vorlauter Zorn Gegenstände. Jedoch bereut sie diese Entgleisungen immer wieder schnell und bemüht sich, sich zurückzuhalten ... bis es zum nächsten Ausbruch kommt. Ihr könnt Euch sicher denken, was Klara jetzt zu Samuel sagt. Und auch hier funktionierte die Arznei unserer Biene.
Inzwischen ist Apisina 15 Jahre alt und man könnte sie als albernen und schwärmerisch veranlagten Teenager bezeichnen. Dass sie ihre eigene Geschlechtlichkeit noch nicht auslebt und noch keine wirkliche Beziehung dazu hat, zeigt sich jetzt deutlich in ihren Träumen. Manchmal träumt sie, sie sei ein Junge und manchmal träumt sie, sie sei schon eine erwachsene Frau.
Frau Kirsch aber, sie war ja als Apisina geboren wurde schon fast 40, befand sich nun vor der Menopause. Sie ist eine äußerst lebhafte, sehr sympathische und gut aussehende Frau mit einer sehr guten Figur. Sie ist immer sehr elegant und ordentlich gekleidet, sehr sauber und auch sorgfältig frisiert. Sie scheint dabei etwas unruhig und manchmal auch exaltiert. Ständig bewegt sie ihre Hände, und wenn es diese nicht sind, ist es die Schulter der Kopf oder ein anderer Körperteil. Nach wie vor ist immer noch sehr fleißig, ist jedoch auch manchmal schon nach leichter Arbeit ziemlich schnell erschöpft. Um alles und jeden macht sie sich Sorgen, manchmal muss sie sogar weinen. Nie genug kriegen kann sie jedoch von der Liebe, sie hat ein ausgeprägtes Triebleben. Noch dazu ist sie sehr eifersüchtig auf Ihren Partner, der sich mit seinem Beruf stark identifiziert. Am liebsten würde sie ihm diese Arbeit wegnehmen, tierischen Spaß macht es ihr auch, ein besonders wichtiges und wertvolles Buch ihres Mannes zu zerstören und wegzuwerfen. So tat es auch Frau Kirsch.
"Hier müssen wir eingreifen Samuel. Gib ihr von meiner Arznei, jedoch in großen Abständen, bis sich ihr Gemüt wieder beruhigt." sagte Klara.
So tat es Hahnemann und die Familie lebte glücklich weiter. Als Dank für die viele Hilfe die unsere Biene Klara Familie Kirsch geleistet hat, wurde der schöne blühende Garten noch blühender gemacht und unendlich viele Blumen als Nahrungsgrundlage für die Bienen gepflanzt. 
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