Die Geburtstagsparty und der wunderbare Kuchen
Samuel dachte gerade noch einmal über Dulca Mariana und ihre herrschsüchtige Art nach - Dulcomo und Dulca Ria taten ihm ziemlich leid - als der Postbote klopfte und ihm einen Brief brachte.
Dieser Brief war auffallend schön gestaltet und die Adresse war in äußerst akkuraten Schönschrift-Buchstaben angebracht. Hier hatte sich jemand wirklich sehr viel Mühe gegeben.
Die Absenderin des Briefes war: Silicea Kiesel, Erdstraße 24 in Bergkristallhausen.
Er traute sich kaum, dieses Kunstwerk zu öffnen, da er es ja dadurch zerstören würde.
Aber es nützte nichts, er wollte doch den Inhalt lesen. Also öffnete er den Brief vorsichtig und zum Vorschein kam eine Einladung:
Lieber Samuel, ich möchte Dich sehr herzlich zu meiner Geburtstagsfeier am 26. Februar einladen.
Viele liebe Grüße
Silicea Terra
Auch der Text der Einladung wirkte äußerst kunstvoll. Auch hier sah man akkurat geschriebene Schönschrift-Buchstaben auf handgeschöpftem Papier.
Samuel freute sich sehr über diese Einladung - der Brief hat ihn gerade noch rechtzeitig erreicht, denn es war schon der 25. Februar.
Unterdessen war Silicea schon intensiv mit den Vorbereitungen zu ihrer Geburtstagsfeier beschäftigt - schließlich sollte alles perfekt werden. Sie machte gerade eine kurze Pause und überlegte sich dabei:
“Ich muss ja noch diesen wunderbaren dreischichtigen und fünffarbigen Kuchen backen - meine Gäste erwarten das von mir - ohne dieses Kunstwerk ist es kein richtiger Geburtstag.”
Gerade als sie aufstehen wollte, um sich an die Arbeit zu machen spürte sie, wie sich vom Rücken heran und über ihr Genick ein Schwindelgefühl bis zum Kopf hinzog. Ihr Kopf wurde auf einmal so schwer, dass sie glaubte, ihn gar nicht mehr halten zu können.
“Was soll nun werden - ich habe versagt! So, wie ich mich jetzt fühle, kann ich nie diesen Kuchen backen.”
Silicea war zutiefst von sich enttäuscht. Doch es kam noch schlimmer. Sie spürte eine Eiseskälte über Ihren ganzen Körper, noch dazu waren ihre Füße kalt wie Eis und ziemlich schweißig. So nahm sie sich also eine Decke und wickelte sich darin ein. Silly, ihre Tochter fand sie so vor und fragte, ob sie ihr helfen könne. Silicea sagte:
“Ach, wenn Du doch den wunderbaren Kuchen backen könntest, ohne den ein Geburtstag einfach kein Geburtstag ist!”
Silly dachte kurz nach und sagte dann:
“Liebe Mama, erkläre mir doch einfach, was ich tun muss, dann will ich ihn für dich backen.”
So geschah es. Silicea erklärte ihrer Tochter das Rezept dieses Kuchens und Silly verschwand kurz danach in der Küche und begann den Teig zu rühren. Silicea holte sich noch eine zweite Decke und wickelte sich noch wärmer ein - sie wollte einfach nicht warm werden. Auch machte sie sich Gedanken, ob ihre Tochter es schaffen würde mit dem Kuchen. Sie kam zu dem Schluss, dass die Tochter das nicht kann. Es gibt so viel zu beachten, dass kann sie nur selbst perfekt erledigen. Also blieb ihr nichts anderes übrig, als aufzustehen und selbst weiterzumachen. So stand sie nun in ihre zwei Decken gewickelt in der Küche und begann die erste Farbe für ihren wunderbaren Kuchen anzurühren. Dabei dachte sie:
“Ich arme Silicea! Ich bin so krank, mir ist so kalt und doch muss ich alles alleine tun.”
Nichtsdestotrotz, dank der ihr eigenen Akribie und ihres Perfektionismus gelang ihr der wunderbare Kuchen, wie er keinem anderen gelingen würde. Die Geburtstagsfeier war gerettet und die Gäste werden nicht enttäuscht sein von Silicea.
Silly war unwahrscheinlich beeindruckt von ihrer Mutter. Um ihr wenigstens noch ein bisschen Arbeit abzunehmen, räumte sie danach die Küche sehr gewissenhaft auf - sie ist äußerst ordnungsliebend. Dabei achtete sie auch gründlich darauf, dass alles wirklich auf seinem Platz steht. Die Schüssel muss immer auf dem Schrank über der Spüle stehen und der Holzlöffel darf niemals woanders, als in der mittleren Schublade sein. An dieser Ordnung darf nichts verändert werden!
“Mama, rief Silly, morgen muss ich wieder zu einer wichtigen Vorlesung. Kannst Du mich bitte pünktlich wecken?”
Silicea sagte:
“Natürlich, Silly … ich werde Dich auch morgen wieder wecken, genau so, wie ich das schon während deiner gesamten Studienzeit tue - mittlerweile kann ich das gar nicht mehr vergessen - schließlich studierst Du ja nun schon seit 16 Jahren.”
“Ich weiß halt noch lange nicht alles, was ich wissen muss, um meinen Beruf ordentlich ausüben zu können.”
erwiderte Silly darauf.
Wenn wir Silly betrachten, sehen wir eine schlanke, kleine Frau. Sie hat ganz dünne Arme und Beine und sehr feine Gesichtszüge. Ihre Haut ist hell und durchscheinend. Ganz besonders fällt ihr vorgewölbter Bauch auf. Man könnte denken, sie sei schwanger. Silly zeigt mit dem Finger (dabei sieht man deutlich viele weiße Flecken auf dem Fingernagel) auf eine Stelle in einem Buch.
“Siehst Du, zum Beispiel das hier, nichts weiß ich davon, wie soll ich da vernünftig arbeiten können … ich muss noch viel mehr lernen, und wenn es noch einmal 16 Jahre dauert! Schließlich möchte ich ja alles perfekt machen.”
So ging Silly zu Bett und schlief ein. Zuerst einmal konnte sie garnicht einschlafen, weil viele Gedanken einfach so in ihren Kopf strömten. Dann, als sie endlich eingeschlafen war, träumte sie wild durcheinander. Zuerst heiratete sie und kurz vor dem Ja-Wort kam eine Schlange zum Altar und biss ihren Bräutigam ins Bein. Gott sei Dank konnte er gerettet werden. Doch dann ging es gleich wild weiter … die Hochzeitsreise führte sie in fremde Länder. Dort angekommen gab es gleich in der ersten Nacht ein Erdbeben. Vor lauter Schreck wollte ihr Bräutigam sie nun erwürgen. Das wurde Silly alles zuviel. Der Neumond erleuchtete ihr Zimmer hell … sie stand auf und wandelte im Schlaf in der Wohnung herum.
Silicea wurde nun auch wach und fand ihre Tochter in der Küche. Sie kannte diese Zustände schon, denn oft bei Neu- oder Vollmond schlafwandelte ihre Tochter. Sie strich ihr sanft übers Haar und sagte:
“Silly, Dein Kopf ist ja ganz nass geschwitzt. Komm, ich bringe Dich wieder in Dein Bett. Schlaf schön weiter, es ist noch viel Zeit bis zum Morgen”
Aber Silly war nun wach und konnte nicht mehr einschlafen.
So kam ihr in den Sinn, dass sie furchtbar gerne Sand essen würde. Am liebsten würde sich sich jetzt vor den Ofen setzen und eine schöne Portion Sandeis verdrücken. Doch daraus wurde nichts, denn plötzlich musste sie husten. Dabei kamen viele kleine, gelbe und zähe Kügelchen aus ihrem Hals, die furchtbar nach altem Käse stanken … dabei ist ihr sofort der Appetit auf das leckere Sandeis vergangen.
Die Nacht verging und der Morgen war gekommen. Silly stand auf und ging zur Uni. Silicea dagegen traf die letzten Vorbereitungen für ihre Geburtstagsfeier. Sie schnitt noch den wunderbaren Kuchen in absolut gleichmäßige Stücken, als auch Silly schon wieder vor der Tür stand. Mit ihr zusammen traf auch der erste Geburtstagsgast ein. Es war Samuel. Er bedankte sich bei Silicea für die Einladung und gratulierte ihr herzlich zum Geburtstag. Danach wollte er ihr seinen Stockschirm (er hatte ihn dabei, weil es nach Regen aussah) geben, damit sie ihn weglegen kann. Als Silicea die glänzende Metallspitze dieses Schirms sah, wich sie erschrocken zurück. Sie rief:
“Nimm dieses furchtbare Spitze Metallding weg. Schnell!”
Samuel reagierte sofort - inzwischen hatte er ja schon viele verschiedene Arzneimittel studiert - er wusste genau, welches Mittel hier gefragt war. Seltsam nur, dass sogar der Name der Frau mit dem des Mittels übereinstimmte.
Nachdem Silicea ihre Arznei bekommen hatte, beruhigte sie sich schnell wieder. Auch wurden ihre Füße langsam wieder warm. Deswegen zog sie ihre Schuhe aus. Nun war es an Samuel, fast das Bewusstsein zu verlieren. Ein nahezu unerträglicher Geruch stieg ihm in die Nase. Er erklärte Silicea:
“Mach Dir keine Sorgen, Silicea, auch dieser schreckliche Fußgestank wird durch die Arznei vergehen! Nun zieh aber schnell die Schuhe wieder an, gleich treffen die nächsten Gäste ein.”
So setzten sie sich an den Kaffeetisch und begannen über dies und jenes zu erzählen. Unter anderem erzählte Silly von ihren Traumerlebnissen der letzten Nacht. Samuel erklärte ihr daraufhin:
“…
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Liebe Grüße
Annett
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